Der Kaperbrief Nov. 8th 2006 – Jan. 20th, 2007

Januar 23, 2007 von sirfrancisuk

 

 

Johann Peter Hebel: Existenzgründung 2.0

Januar 20th, 2007

Der als Sohn eines Leinwebers am 10. Mai 1760 in Basel geborene Johann Peter Hebel studierte Theologie, arbeitete als Hauslehrer und unterrichtete am Pädogogicum in Lörrach Religion, Latein, Griechisch, Mathematik und Geographie. Als außerordentlicher Professor für Dogmatik und Hebräisch machte er Karriere als Hofdiakon, Kirchenrat und Schuldirektor und arbeitete als Redakteur des »Badischen Landkalenders«. Hebel war mit Jacob Grimm und Goethe bekannt und Mitglied des Badischen Landtags.

Johann Peter Hebel (Basel 1760 – Schwetzingen 1826) “Der Zahnarzt: “Zwei Tagdiebe, die schon lange in der Welt miteinander herumgezogen, weil sie zum Arbeiten zu träg, oder zu ungeschickt waren, kamen doch zuletzt in große Not, weil sie wenig Geld mehr übrig hatten, und nicht geschwind wußten, wo nehmen. Da gerieten sie auf folgenden Einfall: Sie bettelten vor einigen Haustüren Brot zusammen, das sie nicht zur Stillung des Hungers genießen, sondern zum Betrug mißbrauchen wollten.

Sie kneteten nämlich und drehten aus demselben lauter kleine Kügelein oder Pillen, und bestreuten sie mit Wurmmehl aus altem zerfressenem Holz, damit sie völlig aussahen wie die gelben Arzneipillen. Hierauf kauften sie für ein paar Batzen einige Bogen rotgefärbtes Papier bei dem Buchbinder: (denn eine schöne Farbe muß gewöhnlich bei jedem Betrug mithelfen.) Das Papier zerschnitten sie alsdann und wickelten die Pillen darein, je sechs bis acht Stücke in ein Päcklein.

Nun ging der eine voraus in einen Flecken, wo eben Jahrmarkt war, und in den roten Löwen, wo er viele Gäste anzutreffen hoffte. Er forderte ein Glas Wein, trank aber nicht, sondern saß ganz wehmütig in einem Winkel, hielt die Hand an den Backen, winselte halblaut für sich, und kehrte sich unruhig bald so her, bald so hin. Die ehrlichen Landleute und Bürger, die im Wirtshaus waren, bildeten sich wohl ein, daß der arme Mensch ganz entsetzlich Zahnweh haben müsse. Aber was war zu tun?

Man bedauerte ihn, man tröstete ihn, daß es schon wieder vergehen werde, trank sein Gläslein fort, und machte seine Marktaffären aus. Indessen kam der andere Tagdieb auch nach. Da stellten sich die beiden Schelme, als ob noch keiner den andern in seinem Leben gesehen hätte. Keiner sah den andern an, bis der zweite durch das Winseln des erstern, der im Winkel saß, aufmerksam zu werden schien.

»Guter Freund«, sprach er, »Ihr scheint wohl Zahnschmerzen zu haben?« und ging mit großen und langsamen Schritten auf ihn zu. »Ich bin der Doktor Schnauzius Rapunzius von Trafalgar«, fuhr er fort. Denn solche fremde volltönige Namen müssen auch zum Betrug behülflich sein, wie die Farben. »Und wenn Ihr meine Zahnpillen gebrauchen wollt«, fuhr er fort, »so soll es mir eine schlechte Kunst sein, Euch mit einer, höchstens zweien, von Euren Leiden zu befreien.« -

»Das wolle Gott«, erwiderte der andere Halunk. Hierauf zog der saubere Doktor Rapunzius eines von seinen roten Päcklein aus der Tasche, und verordnete dem Patienten ein Kügelein daraus auf den bösen Zahn zu legen und herzhaft darauf zu beißen. Jetzt streckten die Gäste an den andern Tischen die Köpfe herüber, und einer um den andern kam herbei, um die Wunderkur mit anzusehen. Nun könnt ihr euch vorstellen, was geschah.

Auf diese erste Probe wollte zwar der Patient wenig rühmen, vielmehr tat er einen entsetzlichen Schrei. Das gefiel dem Doktor. Der Schmerz, sagte er, sei jetzt gebrochen, und gab ihm geschwind die zweite Pille zu gleichem Gebrauch. Da war nun plötzlich aller Schmerz verschwunden. Der Patient sprang vor Freuden auf, wischte den Angstschweiß von der Stirne weg, obgleich keiner daran war, und tat, als ob er seinem Retter zum Danke etwas Namhaftes in die Hand drückte. -

Der Streich war schlau angelegt, und tat seine Wirkung. Denn jeder Anwesende wollte nun auch von diesen vortrefflichen Pillen haben. Der Doktor bot das Päcklein für 24 Kreuzer, und in wenig Minuten waren alle verkauft. Natürlich gingen jetzt die zwei Schelme wieder einer nach dem andern weiters, lachten, als sie wieder zusammenkamen, über die Einfalt dieser Leute, und ließen sich’s wohl sein von ihrem Geld.

Das war teures Brot. So wenig für 24 kr. bekam man noch in keiner Hungersnot. Aber der Geldverlust war nicht einmal das Schlimmste. Denn die Weichbrotkügelein wurden natürlicherweise mit der Zeit steinhart. Wenn nun so ein armer Betrogener nach Jahr und Tag Zahnweh bekam, und in gutem Vertrauen mit dem kranken Zahn einmal und zweimal darauf biß, da denke man an den entsetzlichen Schmerz, den er, statt geheilt zu werden, sich selbst für 24 Kreuzer aus der eigenen Tasche machte.

Daraus ist also zu lernen, wie leicht man kann betrogen werden, wenn man den Vorspiegelungen jedes herumlaufenden Landstreichers traut, den man zum erstenmal in seinem Leben sieht, und vorher nie und nachher nimmer; und mancher, der dieses liest, wird vielleicht denken: »So einfältig bin ich zu meinem eigenen Schaden auch schon gewesen.« – Merke: Wer so etwas kann, weiß an andern Orten Geld zu verdienen, lauft nicht auf den Dörfern und Jahrmärkten herum mit Löchern im Strumpf, oder mit einer weißen Schnalle im rechten Schuh, und am linken mit einer gelben.”

(Quelle: Johann Peter Hebel: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, 1807)

 

Auf falschem Kurs? Der Presseclub (ARD) diskutiert den Atomausstieg …(14.1.2007)

Januar 12th, 2007

Redaktion ARD-Presseclub, 12.1.2007: “….Während in der Union über einen Ausstieg aus dem Ausstieg nachgedacht wird, pochen Umweltminister Sigmar Gabriel ( SPD) und die Sozialdemokraten auf die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag. Die Bundeskanzlerin will allerdings ungeachtet der CSU-Forderungen nach längeren Laufzeiten der Kernkraftwerke zu den Koalitionsvereinbarungen stehen. Im Interesse der künftigen Energieversorgung dürfe es aber keine “Denkverbote” geben, so Angela Merkel ( CDU ). Wie also ist dem Energiedilemma zu entkommen? Hilft uns Atom-Strom aus der Klemme? Oder müssen wir uns intensiver um Effizienztechnik kümmern, um Energien produktiver nutzen zu können? Und nicht zuletzt: Was können wir Verbraucher tun? (..) Das Thema wird uns jedenfalls wohl weiter beschäftigen….” http://www.wdr.de/tv/presseclub/

Die gleichzeitig auf der ARD-Presseclub-Webseite gestartete Umfrage nimmt mit ihrer Fragestellung das Ergebnis der Diskussion allerdings schon vorweg. Der Atomausstieg scheint für die Umfrage-Redakteure eine beinahe beschlossene Sache zu sein:

ARD: “Soll der Ausstieg aus der Atomkraft nochmals überdacht werden?”

Ergebnis / 12.1.2006: “Bisher haben unsere User über die Voting-Frage so abgestimmt: Ja: 64,3 % / Nein: 35,7 %”

Ergebnis / 14.1.2006: “Bisher haben unsere User über die Voting-Frage so abgestimmt: Ja: 28,6 % / Nein: 71,4 %

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Diskussion am 14.1.2007: Der Presseclub empfiehlt, die deutsche Vorsicht fallen zu lassen und – ähnlich wie bei Kraftfahrzeugen (Vergleich Krumrey, Focus) – die volle Nutzungszeit zuzulassen. Auch im Ausland sei man erheblich pragmatischer, wenn es um die effektive Ausbeute der Atomkraft geht. Eine in Deutschland bewährte Technik solle man nicht aus ideologischen Gründen ablehnen.(Rubner).

Während die Kollegen einwenden, dass Atomkraft auf lange Sicht gar nicht wirklich effektiv sei (Problem und Kosten der Atomabfälle / Endlagerung), findet der Kommentator vom Focus, dass man die Bedenken politisch ausräumen kann, wenn man die vorhandenen Endlagerstätten genehmigt und das Problem damit von der Tagesordnung nimmt.

“Sauber, billig und versorgungssicher” findet Jeanne Rubner von der Süddeutschen Zeitung die Atomenergie und stuft sie als sinnvollen und ausbaufähigen Beitrag zur Energiesicherung ein. Außerdem sieht ihr Kollege vom Focus die Gefahr, dass Deutschland – ohne den Atomausstieg – technologisch ins Hintertreffen gerät. Ursula Schwarzer vom “manager magazin” bezweifelt die Notwendigkeit, in Deutschland selbst Atomenergie zu nutzen, damit die Technologieführerschaft großer Firmen wie z.B. Siemens weltweit erhalten bleibt.

Fritz Vorholz von der Wochenzeitung “Die Zeit” weist mit Nachdruck darauf hin, dass die größte Energiequelle in Deutschland in der Einsparung von Energie besteht (Wärmeisolation von Wohnhäusern etc.). Kernenergie habe nur einen kleinen – und tendenziell sinkenden – Anteil an der Gesamtenergieversorgung von 6,5%.

Der Presseclub der ARD hält am 14.1.2007 mehrheitlich die alternativen Energien (Solarenergie, Windkraft, Wasserstoff, Gezeitenanlagen, Bioenergie, Erdwärme, Wasserkraft, etc.) für überbewertet, wenn es um den zukünftigen Ertrag und Anteil an der Energieversorgung geht, die Atomkraft dagegen sei ausbaufähig, klimafreundlich und werde unterschätzt und verteufelt.

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Dass auch in der neuen Atomenergie-Diskussion 2006 / 2007 wirtschaftliche Gewinninteressen eine Rolle spielen, kommt ganz am Schluss der Diskussion im Presseclub der ARD zur Sprache: Warum zahlen deutsche Stromkunden im Durchschnitt 30% mehr für die Kilowattstunde als es im EU-Durchschnitt der Fall ist? / Anmerkung Redaktion “Der Kaperbrief”: Könnten hier die tatsächlichen Kosten der Atomkraftwerke (staatliche Zuschüsse und Leistungen für Forschung, Bau, Betrieb und Endlagerung u.a.) eine gewisse Rolle spielen?

P.S: Erst in der zusätzlichen 15-Minuten-Sendung “Presseclub nachgefragt” kommt im ersten deutschen Fernsehen zur Erwähnung, dass es in der Vergangenheit Sicherheitsprobleme / Atomunfälle gegeben hat. Herr Winkler (Anrufer) stellt fest, dass das Thema des Presseclubs energiepolitisch marginal ist: Viel entscheidender sei der Umgang mit der Abwärme z.B. von Kraftfahrzeugen in Deutschland, die nach seiner Erkenntnis ausreichen würde, um alle Haushalte im Land zu heizen.

 

Tagebuch: Lebenszeichen – Blogtod nach vier Wochen?

Dezember 28th, 2006

“Wer 4 Wochen am Stück nichts mehr schreibt, kommt praktisch nie mehr zurück!” schreibt der Don an seiner Blogbar (.de) und er hat Recht. Gibt es aber dennoch eine ‘Auferstehung’? -) Oder existieren wir als Geister in der Blogosphäre fort, wenn wir uns zu lange nicht sehen oder hören lassen oder irgendwie bemerkbar machen? Web 2.0 scheint die schnelle Reaktion, den engen bzw. intimen Kontakt zu den Lesern zu fordern, schnell Verbrauchbares zum Überfliegen, Kurzlesen und Verlinken.

Der Kaperbrief hat zur Jahreswende 2006 / 2007 dagegen den Zeitrhythmus eines alten Segelschiffs. Hier werden noch echte Segel ‘von Hand’ aufgezogen und Flauten und Windstille sind willkommen. Ein Lob der Langsamkeit? Langeweile? Die ferne Südseeinsel eines Aussteigers als der ideale Ort für die Redaktion des ersten “Logbuchs für die mediale Seefahrt”?

Statt einer ausführlichen Antwort ein Trost für unsere Leser/innen: Die christliche Seefahrt hat mehr (Traum-) Schiffe als im Hafen zu sehen sind.

 

Tagebuch 28.11.2006 – Perspektiven für das neue Jahr 2007

November 27th, 2006

Wer am Jahresende 2006 die Politik – ganz oberflächlich – in Deutschland, Europa und der Welt betrachtet, findet in vielen Bereichen politische Ratlosigkeit.
Was ist gelungen im Jahr 2006? Haben wir eindeutig mehr Arbeitsplätze? Insbesondere für viele der bisherigen und zukünftigen “Arbeitnehmer”, die sich in der Arbeitslosigkeit ausgegrenzt und vergessen fühlen? Haben wir tatsächlich bessere Schulen und Hochschulen als noch vor zehn Jahren ? Sind deutsche Technologien, Produkte und Dienstleistungen international konkurrenzfähiger geworden? (Transrapid? Airbus? …) Hat die neue nationale Begeisterung in der Folge der Fußballweltmeisterschaft unser Verhältnis zum Nachbarn, zum Arbeitskollegen und zum Ausland verändert? Es scheint so, als wüssten wir in Deutschland bereits alles – was zu tun, zu lassen und zu verwerfen ist, wer an welchem Problem die Schuld trägt und wer wofür nicht zuständig ist. Es gibt immer noch viele Länder und Menschen, die “unter uns” stehen, auf die wir herabsehen und die wir bedauern können. Also: Kein Grund zur Panik? Wer sich in dieser Weise beruhigt hat, kann Weihnachtsgeschenke einkaufen gehen. (c) sfu 2006 (Fortsetzung folgt).

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Neue Flaggen aufziehen? II – Die US-Außenpolitik im Presseclub der ARD

November 12th, 2006

Quelle: ARD-Presseclub / news-online.de: Ob die US-Außenpolitik durch die Misserfolge der Republikanischen Partei und die Erfolge der Demokraten bei den US-Kongress-Wahlen “renoviert” werden wird, hat der Presseclub der ARD unter der Leitung von Fritz Pleitgen am 12.11.2006 diskutiert und wollte außerdem wissen, ob sich die USA aus dem Irak zurückziehen werden, ob eine grundsätzliche Veränderung im außenpolitischen Vorgehen der USA zu erwarten ist (”Der Erdrutsch – Verändern die US-Wahlen die Welt?”). Auch Michael Stürmer (Die Welt) stellt fest, dass sich die Politik der nordamerikanischen Großmacht eigentlich verändern muss und WDR-Intendant Fritz Pleitgen fragt, ob der Irak-Krieg mit seinen zweifelhaften politischen Ergebnissen nicht grundsätzlich ein Fehler war.

Der Krieg sei aber nicht verloren, findet Roger Boyes (Times, London) und sagt stabile politische Verhältnisse im Irak in drei Jahren voraus. Auch Melinda Crane (USA) hält den Irakkrieg nicht für verloren, begrüßt aber doch die “Entideologisierung” der amerikanischen Außenpolitik, die neue Verhandlungen mit Syrien z.B. ermögliche. Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ) wünscht sich ebenfalls eine neue realistische Irak-Politik der USA und Stefan Kornelius (Süddeutsche Zeitung) sieht sich in der Auffassung bestätigt, dass weder im Irak noch in Afghanistan z.B. die militärische Intervention politische Stabilität bewirkt hat.

(Presseclub nachgefragt:) Roger Boyes jedoch erinnert daran, dass der Irakkrieg 2006 seiner Ansicht nach per Definition nicht mit dem Vietnam-Krieg verglichen werden darf, weil die USA in der Folge des 11.9.2001 auf die Strategie des vorsorgenden “Präventivkrieges ” umgeschaltet haben und Michael Stürmer konstatiert zur Frage der weltweiten Kritik an der US-Außenpolitik, dass eine schwache Supermacht USA noch gefährlicher für die Internationale Politik sei als eine starke, weil sonst keine internationale Ordnungsmacht zur Verfügung stehe.

KOMMENTAR: Die Diskussion im Presseclub der ARD anhtwortet auf eine brisante Fragestellung mit Argumenten, die überwiegend aus der politischen Mottenkiste stammen (Auswahl): Es zeigt sich, wie gering die Wirkung politischer Wahlen in den USA eingeschätzt wird. Kein “Erdrutsch” in der US-Außenpolitik (ARD), sondern ein Satz neuer Sandförmchen? Die Demokraten im US-Kongerss werden keine neue Politik machen (Präsidentschaftswahlen 2008), man wird in den USA noch mehr auf Personen und auf die Innenpolitik setzen, die Europäer müssen sich als fleißige Verbündete beweisen, der Krieg muss nur richtig geführt werden, die Berater des alten Präsidenten George Bush sen. werden wieder gefragt sein, der Irakkrieg muss optimiert und gleichzeitig billiger werden (intelligenter ‘Sparmodus?’) news-online.de: Wenn das Medienecho der US-Wahlen im Presseclub der ARD ein Indiz dafür sein sollte, was politisch aus den USA zu erwarten ist, darf festgestellt werden, dass die traditionelle Supermacht USA außenpolitisch nichts dazu gelernt hat. (c) sfu 2006

Aus dem Ankündigungstext der Sendung (Redaktion ARD-Presseclub): “George W. Bush und seine Republikaner haben bei der Kongresswahl eine empfindliche Niederlage einstecken müssen: Sie verloren sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit an die Demokraten. Neben Korruptions- und anderen Skandalen, in die republikanische Politiker verwickelt waren, gilt vor allem die Unzufriedenheit der Amerikaner mit Bushs Irak-Politik als Grund für das Wahldebakel. Im Land am Tigris herrschen bürgerkriegsähnliche Zustände. Mehr als 2.800 US -Soldaten und hunderttausende Zivilisten starben bislang. Von Frieden und Demokratie, die der Präsident versprochen hat, ist der Irak weiter denn je entfernt. Und auch der internationale Terrorismus konnte durch den Feldzug nicht erfolgreich bekämpft werden.” Quelle: http://www.wdr.de/tv/presseclub/2006/1112/beitrag.phtml

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Zu viel Flagge gezeigt? Die Bundeswehr im Auslandseinsatz I

November 8th, 2006

Ob die deutsche Bundeswehr tatsächlich für alle bisherigen Einsätze im Ausland geeignet ist, ob man Politik auf Dauer durch militärsche Intervention ersetzen kann, ob deutsche Interessen wirklich mit Soldaten außerhalb Europas gesichert werden müssen und ob Deutschland jedes (UN-) Mandat annehmen muss – diese Fragen stellte sich die PHOENIX-Runde am 7. und 8.11.2006 (Leitung Gabi Dietzen, PHOENIX-TV).

PHOENIX-TV: “Weltweit im Einsatz – Übernimmt sich die Bundeswehr? Kaum ein Krisenherd weltweit ohne die Bundeswehr. Als Sanitäter, Fernmelder, Transporteinheit – aber auch in Kampfeinsätzen müssen sich die Soldaten vor Ort bewähren. Zwar ausgebildet und auf die Einsätze in fremden Kulturen vorbereitet, häufen sich in jüngster Zeit die Skandale. Die Beteiligung an einer Entführung und Foltervorwürfe sind inzwischen Thema eines Untersuchungsausschusses.

Das Bild der helfenden Friedenstruppe ist beschädigt, die Glaubwürdigkeit angeschlagen und die Einsätze sind durch das jüngste Verhalten der Soldaten gefährlicher geworden. Das internationale Echo auf die jüngsten Skandale ist verheerend, Bundeswehr-Führung und Politiker geraten unter Druck. -

Gaby Dietzen diskutiert in der PHOENIX Runde mit Bernhard Gertz (Deutscher Bundeswehrverband), Birgit Homburger (FDP), Christian Schmidt (CSU, Parlamentarischer Staatsekretär im Bundesverteidigungsmi-nisterium) und Prof. Walther Stützle (Stiftung Wissenschaft und Politik).”

(Quelle: http://www.phoenix.de/phoenix_runde/102851.htm )

Kaperbrief: Professor Walther Stützle (1998-2002 Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium) überrascht den Zuschauer mit der Feststellung, dass der jüngste Nahosteinsatz der deutschen Bundesmarine einer Aufgabe gelte, die keinen Sinn macht. Es sei auf Dauer nicht absehbar, was die deutschen Verbände im östlichen Mittelmeer eigentlich bewirken sollen. Außerdem fehlt nach Stützle – ähnlich wie in Afghanistan – ein Konzept, welches eine Lösung der Probleme vor Ort ermöglichen könnte. Der Einsatz der Bundeswehr im Ausland sei im deutschen Parlament zwar diskutiert und des öfteren auch beschlossen worden. Die Frage jedoch, was anschließend politisch zu tun ist, bleibt nach Beobachtung des Experten offen. Man begnügt sich in Berlin gerne mit dem ersten Teil der Debatte.

Auch Birgit Homburger, sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag, hält eine bessere Begründung und politische Vorbereitung deutscher militärischer Auslandseinsätze für unabdingbar.
Nach tagesschau.de (8.11.2006) sind zur Zeit rund 9000 deutsche Soldaten im Auslands eingesetzt – insbesondere in Afghanistan, auf dem Balkan, vor der libanesischen Küste und im Kongo.

Auch in Bosnien ist die Bundeswehr nach dem Zerfall Jugoslawiens präsent, um den Frieden zu sichern. Das “Dayton-Abkommen” allerdings, das 1995 ausgehandelt wurde und den Bosnien-Krieg beendete, ist von den Konfliktparteien vor Ort nicht umgesetzt worden, so dass nach einem Abzug der Soldaten mit neuen Konflikten gerechnet werden muss.

Auch im Kosovo, wo die Bundeswehr zusammen mit anderen Nationen mit 2.900 Soldaten den Frieden sichert, ist nach sieben Jahren keine dauerhafte oder tragfähige Konfliktlösung erreicht worden. Diese ehemals serbische Provinz steht seit 1999 unter der Verwaltung der Vereinten Nationen (UN) und strebt nach Unabhängigkeit. Erst in neuester Zeit (Quelle arte-tv, Nov. 2006) hat sich die UNO entschlossen, Politiker und Parlamente im Kosovo in die politische Verantwortung einzubeziehen. Ob der für die nähere Zukunft beabsichtigte Rückzug der UN-Streitkräfte allerdings wirklich erfolgen kann, darf bezweifelt werden.

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Seeseitig? Kleine Flaggenparade – Der Kaperbrief October 27th – October 29th 2006

Oktober 29, 2006 von sirfrancisuk

 

Kleine Flaggenparade? Die Bundeswehr im ARD-Presseclub am 29.10.2006
Oktober 29th, 2006

Dass das Libanon-Abenteuer der deutschen Bundesmarine einige Risiken enthält, ist in den Medien mehrfach beschrieben und kommentiert worden. Wenn die Bundeswehr beim Landeinsatz in Afghanistan mit ersten militärischen Konflikten konfrontiert wird, kann dies den aufmerksamen Beobachter ebenfalls nicht überraschen. Bemerkenswert hingegen ist die Katastrophe, die deutsche Soldaten auf ihrer medialen Seefahrt für das Image der deutschen Streitkräfte hervorgerufen haben (Totenschädelskandal).

Der Presseclub der ARD diskutiert am 29.10.2006 unter Leitung von Fritz Pleitgen das Thema “Sicherheitsrisiko Bundeswehr – Überfordern viele Einsätze die Truppe?” und hat dazu als Gäste Andrew B. Denison ( Publizist, USA), Navid Kermani (Publizist und Islamwissenschaftler), Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung), Norbert Reuter (Reporter, Der Stern) und Sabine Rosenbladt (Chefredakteurin der außenpolitischen Zeitschrift “IP – Internationale Politik”) eingeladen.(ARD 12h-12.45h, PHOENIX 12h-13h)
Der ARD-Presseclub: “Fast 10.000 Bundeswehrsoldaten sind derzeit im Ausland im Einsatz. Ihr Ruf war bislang gut. Jetzt gibt es erstmals Zweifel, ob die Truppe durch ihre vielen Friedensmissionen überfordert sein könnte.Zwar gilt die Landesverteidigung nach wie vor als zentrale Aufgabe der Bundwehr, doch seit den 90er Jahren sind neue Herausforderungen hinzugekommen. Mehr als 200.000 deutsche Soldaten waren seither im Ausland im Einsatz – im Kosovo und im Kongo, am Horn von Afrika und jetzt im Libanon und in Afghanistan. Im Land am Hindukush stellen sie mit 2.800 Mann das drittgrößte Kontingent der internationalen Isaf-Schutztruppe. Neben “ihrer Funktion als Kämpfer” sollen die Soldaten “auch Helfer, Schützer, Vermittler” sein. So will es das “Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr”, das der Bundesverteidigungsminister in dieser Woche vorstellte.” Quelle: http://www.wdr.de/tv/presseclub/2006/1029/beitrag.phtml

Seeseitig – Kleine Mittelmeerkreuzfahrt IV

Oktober 27th, 2006

Kommentar: Was dürfen die an den Küsten des Libanon eingesetzten deutschen Kriegssschiffe eigentlich unternehmen? Was ist ihre offizielle Aufgabe und was sollen sie tatsächlich machen? Die Friedensmission der deutschen Bundesmarine im Rahmen des UNO-Mandats (UNIFIL) für den Nahen Osten stößt bereits auf erste Probleme. Wer in Berlin geglaubt hat, dass der Nahosteinsatz der Bundeswehr ohne Kompetenzstreitigkeiten und Zwischenfälle mit denen ablaufen würde, die zuvor nachdrücklich nach militärischer Aufsicht verlangt und das neue deutsche UN-Engagement ausdrücklich gefordert haben, hat sich geirrt. Der deutsche militärische Beitrag zum Frieden im Nahen Osten hat zahlreiche Alternativen. Warum musste man sich auf ein Abenteuer einlassen, bei dem es eigentlich nichts zu gewinnen gibt?
news-online.de vom 26.10.2006: hr 2 berichtet am 24. und tagesschau.de am 25.10.2006, dass “israelische Kampfflieger über einem Schiff der deutschen Bundesmarine (im Einsatz für die Friedenstruppe Unifil) Schüsse in die Luft abgegeben und Raketenabwehrkörper abgefeuert haben. Das Verteidigungsministeriums in Berlin hat den den Zwischenfall und einen entsprechenden Bericht des “Tagesspiegel” bestätigt. tagesschau.de: “Am Dienstag um 10.11 Uhr hätten sechs israelische F-16-Jäger ein deutsches Marineschiff der Unifil-Flotte vor Libanons Küste in geringer Höhe überflogen und “Infrarot-Täuschkörper” abgeworfen. Aus einer der Maschinen seien aus der Bordkanone zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuert worden.” Es ist der erste Zwischenfall im deutschen Nahost-Einsatz an der Küste des Libanon. Das israelische Verteidigungsministerium widersprach zunächst den Berichten und stellt fest, dass “im Gegensatz zu den Berichten die israelischen Streitkräfte nicht auf ein deutsches Kriegsschiff geschossen haben.”

tagesschau.de vom 27.10.2006: “Auf diplomatischer Ebene haben die Ereignisse vom vergangenen Dienstag für weitaus größeren Wirbel gesorgt, als bislang nach außen gedrungen ist. Die israelische Regierung bemüht sich gegenwärtig, die offenbar große Verärgerung der Bundesregierung über den Zwischenfall auszuräumen. Vor allem die Tatsache, dass ein weit in internationalem Gewässer operierenden Aufklärungsschiff der Bundesmarine Ziel dieses Überflugs gewesen ist, und nicht küstennah eingesetzte deutsche Unifil-Schiffe, habe für erhebliche Verstimmung gesorgt.”

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Der Kaperbrief October 20th – October 26th 2006 »Blues & beyond« – Live-Übertragung des 37. Deutschen Jazzfestivals am 27.-29.10. in hr2

Oktober 26, 2006 von sirfrancisuk

Oktober 26th, 2006

 

hr-Bigband feat Greg Osby 2003

 

(Bild: hr)

hr2, 27.-29.10.2006: Das 37. Deutsche Jazzfestival in Frankfurt am Main: “In der bundesdeutschen Radiolandschaft ist das einmalig: Das gesamte Deutsche Jazzfestival Frankfurt 2006 (26.-28. Oktober) wird im Rundfunk übertragen. Nicht in kleinen, nachträglich verabreichten Portionen, sondern als vollständige Festivalabende.”

26.– 28. Oktober
hr-Sendesaal jeweils ab 19 Uhr

“Blues & beyond“ – Der Jazz blickt zurück auf seine Wurzeln im Blues. Das Festival-Programm präsentiert Musiker und Bands, die sich aus ganz verschiedenen Perspektiven dem zeitgenössischen Blues widmen. Während die Londoner Band “NuBlues“ das Blues-Feeling mit HipHop-Grooves fusioniert, hat der Amerikaner Otis Taylor die Vision eines “Trance Blues“ entwickelt. “Little Axe“ spielt mit klassischen Blues-Samples und Dub-Elementen. James Blood Ulmer kommt aus der Gospel-Musik und war mehrere Jahre an der Seite der Free Jazz-Ikone Ornette Coleman zu hören: “harmolodic blues“ war die Folge. Vernon Reid, der zweite Gitarrist in der “Memphis Blood Blues Band“, stammt aus der Black Rock-Bewegung und ist mit der Band “Living Colour“ bekannt geworden. Was macht Jason Moran, einer der wichtigsten Pianisten im zeitgenössischen Jazz, aus der archaischen Form? Pee Wee Ellis, einst Saxophonist bei James Brown, entwickelt zusammen mit der hr-Bigband seine eigene Auffassung von “Yellin’ Blue“. Das Frankfurter Jazz-Projekt unter der Regie vom Keyboarder Ulf Kleiner verleiht dem Blues eine elektronische Färbung.

Jack Bruce

Der karge “Mali-Blues“ aus Westafrika, wahrscheinlich die Quelle des späteren Mississippi-Blues, wird von “MALIcool“ präsentiert – unter der Regie des Posaunisten Roswell Rudd, ein Altmeister aus der Sturm- und Drang-Phase des Jazz, der sich nun altersweise mit ethnischen Färbungen auseinandersetzt. Ein Höhepunkt des Programms ist sicherlich der Auftritt von Jack Bruce. Nicht zuletzt die 2005 vielbeachtete Reunion der legendären Band “Cream“ (hier spielten Eric Clapton, Ginger Baker und Jack Bruce zusammen) hat die Aufmerksamkeit erneut auf die Bass-Legende Bruce gelenkt. Erstmals wird der musikalisch vielgesichtige Sänger seine blues-inspirierte Musik im Kontext eines Jazz-Orchesters intonieren.“Born Under A Bad Sign“ – auch nach hundert Jahren ist der Blues noch immer jung.”“Das 37. Deutsche Jazzfestival Frankfurt 2006 ist eine Veranstaltung des Hessischen Rundfunks / hr2 in Zusammenarbeit mit dem Dezernat für Kultur und Freizeit der Stadt Frankfurt und mit freundlicher Ünterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Sponsoren des Festivals sind die Fraport AG, die Saab Deutschland GmbH, die Landesbank Hessen-Thüringen / Helaba und die Köstritzer Schwarzbierbrauerei GmbH.”Quelle: hr-online.de

 

Tagebuch 26.10.2006 – Uri Avnery : Taxi nach Damaskus

Oktober 26th, 2006

Quelle:uri-avnery.de / ZNet Deutschland 07.10.2006:

“WÄHREND EINER Taxifahrt hatte ich einmal ein Streitgespräch mit dem Taxifahrer – dazu muss man wissen, dass Taxifahrer in Israel für ihre extrem rechten Ansichten bekannt sind. Ich versuchte vergeblich, ihn davon zu überzeugen, dass Frieden mit den Arabern nur wünschenswert sei. In unserm Land, das während der letzten 100 Jahre keinen einzigen Tag Frieden erlebt hat, wirkt Frieden manchmal wie Science-Fiction.

Plötzlich hatte ich eine Eingebung. „Wenn wir Frieden haben werden“, sagte ich, „könnten Sie am Morgen Ihr Taxi nehmen und nach Damaskus fahren, dort Mittagessen mit echtem Hummus haben und abends wieder zu Hause sein.“

Er jauchzte bei diesem Gedanken: „Wow! Wenn dies geschieht, dann nehme ich Sie umsonst mit!“ „Und ich werde Sie zum Mittagessen einladen!“ antwortete ich. Er träumte weiter. „Wenn ich mit meinem Wagen nach Damaskus fahren kann, dann kann ich ja von dort in einem weiter durch nach Paris fahren!“(…)

Am Dienstag (24.10.,20.15h) im Bayerischen Fernsehen: “Ausrangiert und abserviert: Mit 50 zum alten Eisen?”

Oktober 20th, 2006

Ursula Heller moderiert die TV-Sendung und presseportal.de schreibt dazu: ” 20.10.2006 – 13:30 Uhr, BR Bayerischer Rundfunk:

München (ots) - Es könnte so schön sein: Die Generation "Ü 50" mit
viel Geld in der Tasche, einem krisenfesten Job und Spaß am Leben.
Doch die Wirklichkeit ist anders. Jeder Zweite im Alter zwischen 55
und 64 Jahren steht auf der Straße. Wer einmal seine Arbeit verloren
hat, gilt als schwer vermittelbar, Aufschwung hin oder her. Geht der
Jugendwahn bei uns um? Wir werden älter und sollen doch länger
arbeiten. Wie geht das alles zusammen?

Kontakt:
BR Bayerischer Rundfunk
Pressestelle
Telefon: 089 / 5900 2176

 

2006-10-20 Kommentar, Redaktion Der Kaperbrief: Das Abschieben der Älteren, die Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen, Angst vor dem Altern bei den einen, Angst vor der Zukunft bei den anderen… Was läuft schief in der deutschen Gesellschaft, wenn ebenso viele junge wie ‘alte’ Menschen um ihre Anerkennung, ihre Zugehörigkeit, ihren Stellenwert fürchten müssen? Welche Interessen, Ziele und Wertsvorstellungen haben sich durchgesetzt, seitdem der Wechsel von ‘Sozialen Marktwirtschaft’ zur ‘New Economy’ im Gange ist? Sollen wir uns um das Schicksal der Aktionäre kümmern (Don Jordan in der ARD am 1.10.2006) oder doch lieber um Stadtteilkulturen, soziale Infrastrukturen und familienfreundliche Unternehmenspolitik? ….

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Zu zweit allein? Hans Jellouschek in hr2 – Der Kaperbrief October 8th – October 16th

Oktober 16, 2006 von sirfrancisuk

Hans Jellouschek hat “in dreißig Jahren therapeutischer Arbeit mit Paaren erfahren, was diese tun können, damit ihre Liebe auch über die Jahrzehnte lebendig bleibt”. Im Gespräch mit Doris Weber, hr2-Sendung ” Doppelkopf “ (2. Hörfunkprogramm im Hessischen Rundkunk, 16.10.2006, 12h und 23h) blättert der Fachmann für Existenzfragen der Paarbeziehung, das ganze Kaleidoskop der Voraussetzungen, Bedingungen, Begleiterscheinungen und Vorstellungen davon auf, wie ein glückliches Miteinander gelingen kann.
Im Hörfunkgespräch in hr2 am Mittag wird deutlich, dass Jellouschek sich tatsächlich sehr gut auskennt, wenn es um die aktuellen Fragen des privaten Zusammenlebens in unserer Gesellschaft geht.

Die Kunst, verbindlich zu werden” (Wer bin ich für den Anderen?, Zusammenstehen), die Fähigkeit, im eigenen Leben Platz zu schaffen für den Partner (Wer mit dem Blick nach rückwärts lebt, ist nicht wirklich frei für den Anderen, Versöhnung mit dem eigenen Leben), die Partnerin/ den Partner als kleinen Jungen bzw. kleines Mädchen kennen lernen (Aus der eigenen Kindheit erzählen und persönliche Empfindlichkeiten verstehen, Intimität zulassen)… Hans Jellouschek zeigt, wie eine gute Partnerbeziehung aufgebaut und ggf. in der Krise erneuert oder vielleicht sogar “repariert” (Red., Der Kaperbrief) werden kann.

Kann man oder frau sich auch dann “gemeinsame Sinnwelten” und “Lebensperspektiven” schaffen, wenn die Kinder aus dem Haus gegangen und erwachsen sind? Können sich wiederholende und regelmäßig auftretende Situationen der Enttäuschung (”Frust” in der Beziehung) Anlass sein, eine Paartherapie zu probieren? – Der Fachmann Jellouschek empfiehlt uns, den Versuch zu wagen. Allerdings warnt er auch vor Partnerschaften, die von vornherein mit einem “Ja,aber”-Vorbehalt begonnen haben und sich leicht zur einseitigen Ausbeutung hin entwickeln können, wenn in der Paarbeziehung das Gefühl für Gerechtigkeit zu schwach ausgebildet ist.

(Weitere Stichworte zum Thema: Geben und Nehmen, Autonomie und Bindung, Nähe und Distanz, Intimität und Freiheit, Toleranz und Anpassung).

Bücher von Hans Jellouschek:

Die Paartherapie -
Eine praktische Orientierungshilfe
Kreuz-Verlag 2005

Liebe auf Dauer
Die Kunst, ein Paar zu bleiben
Kreuz-Verlag 2004

Warum hast du mir das angetan?
Untreue als Chance
Piper 2003

Tagebuch 15.10.2006 – “Maritime Taskforce” III: Bundesmarine beginnt den Nahosteinsatz

Oktober 15th, 2006

“Dass Regierung und Parlament in der repräsentativen Demokratie Deutschlands dem Wähler politisch immer drei Schritte voraus sind, darf gutwillig angenommen werden, so lange die Politik aus Berlin Erfolg hat. Im (Zu-) Stimmungstief des Herbst 2006 allerdings können sich nur wenige dafür begeistern, dass die Bundesrepublik noch eine weitere Auslandsaufgabe – diesmal als Hilfspolizist im Nahen Osten – übernommen hat. *** “Ist der Einsatz deutscher Soldaten im Nahost-Konflikt richtig?” hat der private Fernsehsender > n-tv < heute (15.10.2006) seine Zuschauer gefragt und 11 % haben “ja” gesagt. Immerhin 89% der Befragten sind dagegen und haben “nein” gesagt. *** Was wäre wohl aus dem Nahosteinsatz der Bundesmarine geworden, wenn wir nach Schweizer Modell direkt über das Thema abgestimmt hätten?(Quelle: news-online.de)

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Tagebuch 8.10.2006 – Kommunikation, Aufklärung, Vernunft? – Was den Dialog der Kulturen voranbringt…

Oktober 8th, 2006

“Fundis aller Religionen vereinigt Euch! Warum sind Religionen so empfindlich? Was haben wir angesichts der Renaissance des Religiösen zu erwarten?” In der Sendung “horizonte” des hr-Fernsehens aus Frankfurt am Main vom 7.10.2006 diskutierte Meinhard Schmidt-Degenhard mit dem Islamologen Prof. Bassam Tibi und dem Publizisten und langjährigen hr-Redakteur Wilhelm von Sternburg über die angemessene Reaktion auf die aktuelle Diskussion über Karikaturenstreit, Papstrede, IDOMENEO-Inszenierung in Deutschland.

Ist die Zeit der Aufklärung zu Ende? Werden jetzt alle ökonomischen, politischen und sozialen Konflikte und Entwicklungsdefizite auf der Welt wieder in einen Streit der Religionen umgewandelt? Dass die Politik eher zur Dämonisierung als zur Lösung der kulturellen Unterschiede und Gegensätze beiträgt, dass die aktuellen Probleme und Fragen – vom Terrorismus über den Nahostkrieg bis zu Integration und Islamunterricht – zur Zeit “religionisiert” werden (Bassam Tibi) – darüber bestand in der engagierten Diskssion der drei Experten Einigkeit.

Was hilft, ist nach Meinung von Schmidt-Degenhardt, Sternburg und Tibi das Festhalten am “Primat der Vernunft”, am interkulturellen Diskurs, an den Werten und Errungenschaften der europäischen Aufklärung (>> Lessing, Red. Kaperbrief) , die auch für die Entwicklung der islamischen Gesellschaften grundlegend wichtig bleiben. Entscheidend sei die Erkenntnis, dass Religion und Vernunft keine Gegensätze sind – weder für den gläubigen Christen noch für den frommen Moslem.

Außerdem: Der Friede beginnt da, wo wir die Position, Einstellung und Weltsicht des anderen kennenlernen, verstehen und akzeptieren lernen, ohne sie selbst übernehmen zu müssen. Kommunikation geht vom Denken des anderen aus, wenn der Dialog beginnt. (c) sfu 2006 Stephan Fröhder

Quelle: http://www.hr-online.de hr-online.de

***

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Der Kaperbrief Oktober 2nd – Oktober 7th 2006 – Kaperbrief VIII – Regierungskritikerin in Moskau ermordet

Oktober 8, 2006 von sirfrancisuk

 

Kaperbrief VIII – Regierungskritkerin in Moskau ermordet Oktober 7th, 2006

tagesschau.de und Krusenstern.ch melden am 7.10.2006:

Die russische Journalistin und Regierungs- und Putinkritikerin Anna Politkowskaja ist in Moskau im Aufzug ihres Wohnhauses ermordet aufgefunden worden. Die Polizei hat eine Pistole und vier Geschosshülsen gefunden, deren Typ auch von Polizei und Armee in Russland benutzt wird.

Anna Politkowskaja wurde 1958 geboren und hat sich u.a. durch ihre kritischen Reportagen über den sowjetischen Tschetschenien-Krieg international einen Namen gemacht.
Sie hat vor allem für die regierungskritische Zeitung “Nowaja Gaseta” in Moskau geschrieben und zählt zu den bedeutendsten russischen Journalisten.

Ihr Buch über Präsident Wladimir Putin und dessen Vorgehen in der Kaukasusrepublik, ihre Tscheteschenien-Reportagen und die Dokumentation zahlreicher Fälle von Misshandlung der Zivilbevölkerung durch Regierungssoldaten, ihr mutiger Einsatz für eine Verhandlung mit den Geiselnehmern in einem Moskauer Theater im Oktober 2002 machten sie bei der Bevölkerung beliebt und bei den Regierungsbehörden und Geheimdiensten vedächtig.

Im Januar 2004 erhielt sie für ihren journalistischen Einsatz zur Förderung der Demokratie den “Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien” der Leipziger Medienstiftung und 2005 gemeinsam mit zwei weiteren russischen Menschenrechts-Aktivisten den schwedischen Olof-Palme-Preis.

“Wann immer die Frage aufkam, ob es in Russland ehrlichen Journalismus gibt, wurde fast jedes Mal zuerst der Name Politkowskaja genannt”, sagt ihr prominenter Kollege Oleg Panfilow, Direktor des Zentrums für Journalismus in Extremsituationen in Moskau. Politkowskaja ist vor ihrer Ermordung bereits jahrelang bedroht und mit Anschlägen verfolgt worden.

In deutscher Sprache sind Politkowskajas Bücher “Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg” (2003) und “In Putins Russland” (2005) erschienen.

 

Tagebuch 7.10.2006 – Kein Engagement für die INSM: Prof. Paul Kirchhof in hr2

Oktober 7th, 2006

In der Sendung “Weg mit dem Staat! Alles MACHT der Bürger” distanziert sich Prof. Paul Kirchhof heute am 7.10.2006 von seinem Engagement für die “INSM – Initiative Neue Marktwirtschaft”. (hr: “Weg mit dem Staat. Er ist eine “Hydra”, die uns erdrückt – behauptet Prof. Paul Kirchhof in seinem neusten Buch.”) Er betreibe keine Lobbypolitik, weist der Experte die Kritik eines Anrufers und den Hinweis auf sein Engagement für die INSM zurück.

Warum der prominente Jurist, Professor und Buchautor (im Wahlkampf 2005 noch als Mitglied im Regierungskabinett Merkel vorgesehen) nicht mehr im Zusammenhang mit der INSM genannt werden will, bleibt in der Sendung ungeklärt und auch die hr-Moderatorin fragt nicht weiter nach. Auf der Webseite der insm.de fehlt 2006 tatsächlich der Name Kirchhofs in der Liste der prominenten “INSM-Kuratoren und Botschafter”.

Im Jahr Frühjahr 2004 brachte presseportal.de den folgenden Text der INSM, in der Prof. Kirchhof als “Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bezeichnet wird:

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Ex-Verfassungsrichter widerlegt Kritik der Länderfinanzminister
Kirchhof: “Es gibt keine Finanzierungslücke”
Steuerexperte hebt Gerechtigkeitswirkung seines Modells hervor
10.03.2004 – 11:00 Uhr
 
Berlin (ots) - Der Botschafter der Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft (INSM) und ehemalige Verfassungsrichter, Prof. Dr.
Paul Kirchhof, hat am Mittwoch in Berlin die Kritik an seinem
Steuermodell mit Vehemenz zurückgewiesen. "Mein Modell rechnet sich
und ist sozial gerecht", erklärte Kirchhof. Auch Prof. Winfried
Fuest, Finanzexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft IW Köln,
widersprach der Kritik an Kirchhofs Reformvorschlag: "Die
Berechnungen des Bundesfinanzministers und der einzelnen
Länderministerien enthalten so schwerwiegende methodische Mängel,
dass die Aussagekraft ihres kürzlich vorgestellten Berichts als
gering eingestuft werden muss", so der wissenschaftliche Berater der
INSM.

Eine Arbeitsgruppe der Bundesländer hatte Ende Februar einen
Bericht vorgelegt, in dem die Steuermodelle von CDU (Merz-Entwurf),
CSU (Faltlhauser-Modell), FDP (Solms-Entwurf), Sachverständigenrat,
des Steuerrechtlers Lang und des früheren Verfassungsrichters
Kirchhof bewertet wurden. In dem Bericht wurde das Steuermodell von
Kirchhof als unfinanzierbar und sozial unausgewogen dargestellt.
(....)
Unterdessen hat Kirchhof von Länderseite Unterstützung erfahren.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) stellte sich
hinter den Reformentwurf des Heidelberger Wissenschaftlers. Der
Regierungschef erklärte bei einer Veranstaltung der INSM am Montag
Abend in Stuttgart, er sei "nach eingehendem Studium" zu dem Schluss
gekommen, dass der Kirchhof-Entwurf "das konkreteste, durchdachteste
Modell ist, das derzeit auf dem Markt ist". Kirchhof habe damit eine
"Jahrhundertreform" vorbereitet, vergleichbar nur mit dem
Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1.1.1900.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist eine
überparteiliche Reformbewegung von Bürgern, Unternehmen und Verbänden
für mehr Wettbewerb und Arbeitsplätze in Deutschland

ots Originaltext: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Pressekontakt:
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
 0221/49 81-400"

http://www.insm.de/Die_INSM/Kuratoren_und_Botschafter.html
http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik
=18914&key=standard_document_26941564

Integration im Global Village ? – III – Köttbullar in Istanbul

Oktober 2nd, 2006

Dilek Zaptcioglu schreibt im taz-blog “Istanbul” am 1.10.2006 über “Ikea, seine Köfte, seine Muslime” und warnt ihre LeserInnen: “Achtung, teilweise Satire!” …

“Heute war ich im Istanbuler Ikea, um einen Sessel und diverse unvorhersehbare Dinge zu kaufen. Ikea Istanbul ist vor einem Jahr eröffnet und liegt auf der asiatischen Seite bei Ümraniye, das heißt am ärmlichen Stadtrand. Blau-gelb erhebt sich das lange und flache Gebäude auf dem Hügel, in nichts von seinen deutschen Geschwistern zu unterscheiden. Daneben wird gerade eine riesige Baugrube ausgehoben. Ein neues Einkaufszentrum entsteht neben Ikea. Das wievielte Einkaufsparadies in Istanbul? Carrefours aus Frankreich, Bauhaus, Praktiker, Migros – alles ist hier versammelt, zum Unmut der türkischen Kleinhändler, die am laufenden Band pleite gehen.

Das Istanbuler Ikea macht einen Riesenumsatz – auch mit Köfte. Mit den kleinen runden schwedischen Hackfleischbällchen. 15 Stück kosten umgerechnet nur 3 Euro. Salat für nur 40 Cent. Täglich gehen 1200 Portionen schwedische Köfte über den Tresen, am Wochenende sind es täglich 3600 Portionen. Der Direktor ist verblüfft und sagt: “Im Vergeich zu anderen Ländern ist der Restaurant-Betrieb hier in Istanbul schon extrem rege. Wir machen 7 Prozent unseres hiesigen Umsatzes im Gastronomie-Bereich.” Die türkischen Ikea-Besucher haben nämlich Gefallen gefunden an den schwedischen Köfte, so daß sie auch welche einpacken lassen und mitnehmen. Heiß sind sie ohnehin nicht.

Es schoben sich unheimlich viele Muslime durch Ikeas Gänge und kauften Sesselgarnituren, Vorhänge, Bilder, Besteck, Küchenzeilen und Behälter in jeder Form, Größe und aus jedem Material. Es gab viele modern gekleidete Menschen, Mädchen in engen Jeans, im Minirock und in diesen aberwitzigen kurzen Bolerajäckchen, die diesen Winter so in sind. Das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich bei allen und zuerst um Muslime handelt.

Das Ikea-Haus war das alte. Ich fühlte mich in Berlin. Aber so viele Muslime in unserem liebgewonnenen Ikea! How come?…” >>> weiter auf istanbulblog

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Idee des Friedens X – Als Afrikaner bei Freunden? : Toleranz im deutschen Fußball – Der Kaperbrief October 1st – October 2nd 2006

Oktober 2, 2006 von sirfrancisuk

 

Oktober 2nd, 2006

(Quelle: gmx.net/Sport-Informations-Dienst) 02.10.2006. “Die Leute in Ghana waren entsetzt” berichtet Nationalspieler Gerald Asamoah und macht sich Sorgen über das Image Deutschlands in der Welt. “Viele Menschen im Ausland verbinden Deutschland mit Ausländerfeindlichkeit. Bei der WM 2006 hat die Welt gestaunt, dass die Deutschen ganz anders sein können. Auch in Ghana waren die Leute begeistert, fast schon erleichtert. Doch was mit mir in Rostock passiert ist, lief in Ghana im Radio. Auch in anderen Ländern. Die Leute waren entsetzt. Das Affengebrüll hat dazu geführt, dass einige in Afrika wieder das Bild von Deutschland haben, das vor der WM galt. Das haben die Idioten geschafft”, meinte der gebürtige Ghanaer im Interview mit dem Fachmagazin Kicker.

Rassistische Beschimpfung Asamoahs in Rostock

Der aus Ghana/Westafrika stammende Fußballspieler ist im Pokalspiel mit seinem Klub Schalke 04 im vergangenen Monat in Rostock mit rassistischem Beleidigungen belegt worden. Asamoah, der wegen einer Verletzung ein halbes Jahr pausieren muss, ist trotz der negativen Erfahrung an der Ostsee dafür, dass das Länderspiel der DFB-Auswahl gegen Georgien am kommenden Samstag in Rostock ausgetragen wird, “weil sich auch in Rostock viele Menschen auf die Nationalmannschaft freuen. Das dürfen diese Idioten nicht kaputtmachen.”

Einen Rücktritt aus der Nationalelf behält sich Asamoah für den Fall vor, dass er wegen seiner Hautfarbe auch als Nationalspieler im DFB-Trikot rassistisch beleidigt wird. “Dann müsste ich wirklich nachdenken. Macht es dann noch Sinn, für Deutschland zu spielen. Die Frage stellt sich dann. Sehr ernsthaft sogar. Ich hoffe aber, dass die Leute so etwas nicht machen.”

Idee des Friedens IX – Kritisches Engagement für den Frieden: Jean Ziegler

Oktober 1st, 2006

Die Weltproduktion in der Landwirtschaft könnte 12 Milliarden Menschen mit Lebensmitteln versorgen, aber 100.000 der jetzt auf der Erde lebenden 6,2 Milliarden Menschen sterben täglich am Hunger oder den Folgen des Hungers. Wie kann das sein?

Schwere Unterernährung aber gibt es nicht nur in den armen Ländern, sondern auch in der deutschen Bundeshauptsstadt, wie Lehrer von Berliner Schulen dem UN-Berichterstatter Jean Ziegler melden. Arme in der “Dritten Welt” müssen ihr Wasser kaufen und können sich auch gegen schwere Krankheiten wie AIDS keine Medikamente leisten.
Warum wehren sich die vom Hungertod bedrohten Menschen nicht gegen ihre ungerechtes ‘Schicksal’ ?, will der Moderator der Sendung “Horizonte” im hr-Fernsehen wissen und Jean Ziegler, der die unfertige Weltsozialpolitik als Kenner und scharfer Kritiker seit langer Zeit begleitet, ist ein wenig ratlos. Wie sollen denn die vom Hunger geschwächten, erkrankten und demoralisierten Menschen auch noch den politischen Protest und den Kampf gegen den Hunger organisieren und führen?, fragt er zurück.

Jean Ziegler fordert einen anderen, neuen Krieg gegen den Terrorismus:Wenn die Menschenrechte und rechtsstaatliche Normen wieder weltweit Beachtung finden,wenn Not und Elend ähnlich schnell und aktiv bekämpft werden wie die Gefahr terroristischer Anschläge, wenn die Dominanz multinationaler Unternehmen in der Weltwirtschaft erkannt, kritisiert und eingeschränkt wird (afrikanische Wasserrechte beim internationalen Großkonzern), wenn das koloniale und zum Teil rassistische Denken der Europäer zum Beispiel einem neuen Gefühl für eine weltweite soziale Gerechtigkeit weicht, kann erwartet werden, dass Krieg und Terror die Basis entzogen wird.
“Was es jetzt braucht, ist der Aufstand des Gewissens”, sagt Jean Ziegler.

Quelle: hr-online.de

Zur Person: vgl.wikipedia.org (1.10.2006):
Jean Ziegler (* 19. April 1934,Thun, Schweiz) ist Soziologe, Politiker, Sachbuchautor und UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und Mitglied der UN-Task-Force für humanitäre Hilfe im Irak. Ziegler, 1967-1983 und 1987-1999Genfer Abgeordneter im Nationalrat für die Sozialdemokratische Partei der Schweiz, ist ein prominenter Globalisierungskritiker. Er kritisiert, dass Konzerne juristische Personen sein dürfen und wurde wegen massiver Kritik an schweizerischen Banken mehrfach verklagt und sogar als “Landesverräter” angegriffen. Schadensersatzleistungen brachten ihn zum Teil an den Rand des wirtschaftlichen Ruins, während der Prozess wegen Landesverrats mit Freispruch endete.

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Integration im Global Village ? II – Der Presseclub (ARD) am 24.9.2006 (Teil I) Der Kaperbrief September 24th – September 27th 2006

September 27, 2006 von sirfrancisuk

 

September 27th, 2006

“Noch eine Chance für friedliches Miteinander? Deutschland vor der Berliner Islam-Konferenz” titelt der Presseclub der ARD am 24.9.2006 (Moderation Monika Piel, Redaktion Michael Hirz) und der besorgte Fernsehzuschauer fragt sich am frühen Sonntagmittag, ob in Deutschland der Bürgerkrieg bevorsteht.

Wie und auf welchen Wegen sich ein politischer Dialog zwischen Staat und muslimischer Gesellschaft in Deutschland verbessern lässt, wie die Integration gelingen kann, welche
Sicherheitsbedürfnisse die Deutschen haben, welche sozialpolitischen und welche Bildungsfragen neu gestellt werden müssen, wollen die Teilnehmer der Diskussion im Presseclub am 24. September wissen.

Auch unser Verhältnis zum Islam und seinen Glaubensrichtungen steht auf der Liste der offenen Fragen. Kann ein “westlicher Islam” Fortschritte im Zusammenleben der Kulturen in Deutschland bewirken?
Katajun Amirpur, Publizistin und Islamexpertin, ist für dieses Projekt und den Dialog der Muslime untereinander. Sie weist aber auch darauf hin, dass es im Islam bereits bisher übersehene Reformbewegungen gibt und stellt fest, dass die in Deutschland lebenden Muslime sich in ihrer großen Mehrheit “als ganz normale deutsche Bürger” ansehen.

Auch die Moderatorin im Presseclub erinnert daran, dass nach den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes tatsächlich nur ein Prozent der 3,2 Millionen in Deutschland lebenden Muslime als “radikal” eingestuft werden kann und davon wiederum nur ein Zehntel zur Gewalt bereit ist.

Die vom deutschen Innenminister für den 27.9.2006 geplante “Islam-Konferenz” kann nach Meinung des Presseclubs der ARD keinen repräsentativen Dialog herstellen, weil die beteiligten Organisationen maximal 20.000 der in Deutschland lebenden Muslime repräsentieren. Hinzu kommt, dass 700.000 Schüler aus moslemischen Familien in Deutschland zur Zeit keinen staatlichen islamischen Religionsunterricht erhalten.

Das eigentliche Problem jedoch, findet Wolfram Weimer vom Cicero, ist der ‘Kulturkampf’ zwischen dem modernen demokratischen Staat mit seinen für alle geltenden Werten auf der einen und den konservativen islamischen Predigern auf der anderen Seite, die unvereinbare Erziehungs- und Verhaltensbotschaften aussenden. Der ‘islamische Totalitarismus’ (Weimer) in der Frauenfrage z.B. (Berliner Ehrenmord, Auswanderung der Anwältin Atesch) sei ernst zu nehmen.

Wulf Schmiese von der FAZ am Sonntag dagegen hält allein schon wegen der Sprachdefizite den Versuch für aussichtslos, von seiten des deutschen Staates einen erfolgreichen Koran-Unterricht etablieren zu wollen.

Die freie Journalistin Hilal Sezgin kritisiert mit Nachdruck, dass nach ihrer Ansicht – auch in der Diskussion im Presseclub – ein falsches Bild von der islamischen Frau in Deutschland besteht. Der Schleier z.B. sei kein Indiz für die innere Einstellung, das demokratrische Verständnis oder gar die Intelligenz von moslemischen Frauen. (Weiterer Teilnehmer: Hans Monath, Tagesspiegel) (Teil I)

Mehr Beiträge zum Thema Integration, Naher Osten etc. finden Sie auf unserer Webseite news-online.de

 

Kaperprogramm – “Die Piraten und das Meer”: Hörnacht am 29.9.2006 (Bayern2, hr2, NDR Info, WDR 5)

September 26th, 2006

“Hören. Lesen. Mitmachen. Pirat sein. Piraten und Meer …
Freitag, 29. September 2006, 21:00 Uhr Die Hörnacht im Radio

Die Hörnacht im Radio am 29. September:
Die Kinderradio-Redaktionen von Bayern2Radio, hr2, NDR Info und WDR 5 laden ein zur großen Kinderhörnacht “Piraten und Meer”. Vier Stunden lang treiben Piratinnen und Piraten in dieser Nacht ihr Seeräuber-Unwesen im Radio. Geschichten erzählen von ihrem tollkühnen Leben, Hörspiele entführen in die waghalsigsten Piraten-Abenteuer auf den Meeren der Welt und bei Piratenmusik kann jeder Freibeuter mitsingen.

“Uns gehört die See”: In der Hörnacht kann jeder Pirat sein, das Radio einschalten und eine eigene Piratennacht veranstalten: Verkleiden, Piratenhöhlen bauen, Geschichten schreiben, Piraten-Essen kochen. Und das Schönste: Ganz lange wach bleiben oder in der Schule mit anderen Piraten übernachten und Hör-Abenteuer erleben.”

hr-online.de

 

Idee des Friedens X – The “Clinton Global Iniative” and the US-”War on Terrorism”

September 25th, 2006

23.9.2006: Der 42. Präsident der USA, Bill Clinton, hat für seine gemeinnützige Stiftung für den Kampf gegen Armut, Erderwärmung und religiösen Hass Milliarden-Zusagen erhalten. New York : Bei einem Alternativ-Gipfel in New York erreichten die Zusagen für die Clinton-Stiftung die Gesamthöhe von 7,3 Milliarden Dollar (rund 5,7 Milliarden Euro). Die “Clinton Global Initiative” gab anlässlich ihrer Jahreskonferenz am Freitag bekannt, dass Zusagen von 215 Spendern eingegangen sind.

Zu den wichtigsten Unterstützern der “Clinton Global Initiative” zählt der britische Unternehmer Richard Branson, der in den kommendenden zehn Jahren den Reinerlös seines Virgin-Konzerns für erneuerbare Energien zur Verfügung stellen will. Clintons Stiftung widmet sich dem Kampf gegen die Armut und gegen die Erderwärmung sowie der Überwindung religiös motivierten Hasses. (AFP) 23.09.06, 01:18 Uhr

Der Kaperbrief am 24.9.2006: Bill Clinton engagiert sich in der jüngeren Vergangenheit auch in der aktuellen Debatte über eine bessere US-Außenpolitik. Auf CNN versammelt er unter dem Motto “In God’s Name” prominente Politiker, Diplomaten und Experten, um über die Frage einer geeigneten Entspannungs-Politik u.a. für den Nahen Osten zu diskutieren. Bemerkenswert: Senator Mitchell fordert bei dieser Gelegenheit, der Terrorismus müsse als Taktik politischer Gruppierungen definiert werden, statt ihn als unbestimmten “Feind” zu propagieren ( vgl. “Krieg gegen den Terrorismus”).

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Tagebuch 24.9.2006 – Krieg für den Terror?

September 24th, 2006

The New York Times / Washington / Sept. 24: “Intelligence Report Stirs Debate on Terror Fight Article Tools Sponsored By By BRIAN KNOWLTON, International Herald Tribune Published: September 24, 2006 WASHINGTON, Sept. 24 — An intelligence assessment that the war in Iraq increased Islamic radicalism, worsening the terror threat, set off a sharp debate today among American political officials over credit and blame for the war and the broader fight against terrorism.(…)” http://www.nytimes.com/2006/09/24/washington/
25terrorcnd.html?hp&ex=1159156800&en=
2b04aade4ece2412&ei=5094&partner=homepage

tagesschau.de, 24.9.2006 / Bericht der US-Geheimdienste Terrorgefahr durch Irakkrieg gestiegen [Bildunterschrift: Seit dem Irakkrieg hat die Anzahl der Terroranschläge international zugenommen.]

Der Irakkrieg hat nach Auffassung der US-Geheimdienste eine neue Generation von extremistischen Muslimen heranwachsen lassen. Die 16 US-Geheimdienste seien bei einer gemeinsamen Analyse zu dem Schluss gekommen, dass seit dem 11. September 2001 weltweit die Terrorgefahr zugenommen habe, berichtete die “New York Times” unter Berufung auf den vertraulichen Bericht der Geheimdienste (National Intelligence Estimate).

Dieser weise der US-Invasion eine größere Bedeutung bei der “Anheizung des Radikalismus” zu, als dies bisher in Dokumenten des Weißen Hauses geschehen sei. Die Zeitung beruft sich dabei auf Angaben von mehr als ein Dutzend Regierungsbeamten und Experten, die entweder die Endversion des im April fertig gestellten Reports gesehen hätten oder an früheren Entwürfen beteiligt gewesen seien.

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Der Kaperbrief September 22nd – September 23rd 2006

September 23, 2006 von sirfrancisuk

Kaperbrief VII – Reale Bedrohung? – Israel-Kritik kann gefährlich werden…

September 23rd, 2006

Der Standard aus Wien

hat am 23.9.2006 auf seiner Webseite (derstandard.at, Politik, International, Nahost, Nahost-Konflikt) berichtet: “Nasrallah greift Merkel an. Der Hisbollah-Chef nahm an einer “Sieges-Demonstration” in Beirut teil und droht Israel: “Wir haben noch 20.000 Raketen”

Zum Artikel / Forumsbeiträge 374-77 von heute abend:

* Stephan Fröhder / antworten 23.09.2006 18:40 [1] / “Falken im Team – der bedrohte Krieg… Sehr bedauerlich: Nasrallahs Äußerungen sind ein Teil des (Kriegs-) Spiels. Dass die Falken auf beiden Seiten sich in einem Konflikt gegenseitig ergänzen, ist nichts Neues. (news-online.de) Vgl. dazu auch: Uri Avnery,Israel, 19.9.2006: “Ein schrecklicher Feind hat sich verschworen, uns Frieden aufzuerlegen. Er nähert sich uns von zwei Seiten (..) Ein Arm dieser Offensive ist die palästinensische Einheitsregierung, die gerade im Werden begriffen ist. Der andere Arm ist die Entscheidung der Arabischen Liga, den arabischen Friedensplan wieder zu beleben. Vom Gesichtspunkt der Regierung Israels aus gesehen ist diese Offensive weit gefährlicher als alle Raketen Hassan Nasrallahs zusammen.” (Quelle:http://www.zmag.de/artikel.php?id=1920)

*** jb50 / antworten 23.09.2006 21:33 bewerten melden ) Re: Falken im Team – der bedrohte Krieg… “Also doch der Jude schuld ist er doch die Quelle des Bösen im Islam. Leute wie Sie müsste man schon einsperrern oder zumindest in die Geschlossene einliefern…”

* systemfehler1 antworten 23.09.2006 19:13 bewerten melden Re: Falken im Team – der bedrohte Krieg… “…und? Heißt das jetzt für Sie, daß die Juden jetzt wieder die Bösen sind? Bitte differenzieren sie ihre Aussagen. Fundamentalisten zündeln immer, ob aus den USA die christlichen, von Israel aus die mosaischen und in einem anderen Teil des “gelobten Landes” eben die islamischen.”

** Protagoras v. Abdera / antworten 23.09.2006 19:33 [1] bewerten melden / Re: Re: Falken im Team – der bedrohte Krieg… “Daß heißt, daß Israel mit dem Radikalismus Nasrallahs sehr zufrieden ist, weil es den bürgerlichen (rechtszionistischen)politischen Parteien einen politischen Kompromiß mit einer unitarischen palästinensischen Regierung erspart. Eine radikale Bewegung an der Nordgrenze und ein offener Bürgerkrieg zwischen Hamas und Fatah, der schon zum Greifen nahe war und von den USA und Israel kräftig geschürt wurde (internationale Isolation, Konfiskation der Steuergelder, militärische Abriegelung, Sperrung von Auslandskonten der PA) ist diesen Kräften sehr viel lieber als ein konstruktiver Friedensprozeß.”

 

Kaperbrief VII – Elektronische Demokratie: Der Bundesinnenminister überwacht das Internet

September 23rd, 2006

Der Kaperbrief am 23.9.2006 / heise-online.de berichtet am 23.9.2006: Berlins neues Anti-Terror-Zentrum überwacht zukünftig die Online-Aktivitäten im Internet

Nach dem aktuellen Bericht von heise-online, der bei den Usern 374 Kommentare auslöste, will Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Internet-Überwachung forciert ausbauen. heise-online beruft sich dabei auf einen Beitrag des Magazins “Der Spiegel” (Ausgabe vom 24.9.2006).

Dem “Spiegel” zufolge will der Innenminister unter Beteiligung des Verfassungsschutzes in Berlin eine “Internet Monitoring und Analysestelle” (IMAS) etablieren, an der etwa 50 Beamte regelmäßig verdächtige Online-Aktivitäten überprüfen sollen.

Das besonderer Interesse der Staatsschützer soll dabei der Überwachung “islamischer Extremisten” gelten. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) soll an der IMAS beteiligt werden, die ihrerseits Informationen aus Bund und Ländern zusammenführen soll.

Der Bundesnnenminister will für sein neues Sicherheitsprojekt für das Jahr 2007 vom Bundesfinanzminister 86 Millionen Euro fordern.

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/78590(ll/c’t)


Tagebuch 22.9.2006 – NPD-Erfolg ohne Zustimmung

September 22nd, 2006

Der Wahlerfolg der NPD schadet nach der Meinung einer großen Mehrheit der Deutschen dem Ansehen der Bundesrepublik. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap fragte Im Auftrag des ARD-Morgenmagazins vom 22.9.2006 die Bürger, ob sie denken, dass der Einzug der NPD in den Schweriner Landtag dem Ansehen Deutschlands schade. Diese Frage wurde von 70% der Befragten bejaht, während 24% keinen Schaden erkennen können. Die NPD wird außerdem von 82% der Befragten nicht als demokratische Partei angesehen. Nur 11% halten die NPD für eine demokratische Partei.

Quelle: Der Deutschland-Trend im ARD-Morgenmagazin 22.09.2006 – 00:01 Uhr, WDR Westdeutscher Rundfunk Pressemappe Köln (ots) -

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Der Kaperbrief – September 19th, 2006

September 19, 2006 von sirfrancisuk

“Landseitig” – Was die Deutschen vom Nahosteinsatz der Bundesmarine halten September 19th, 2006 Der Kaperbrief, 19.September 2006
Was die Deutschen vom Nahosteinsatz der Bundesmarine halten…

1. Financial Times Deutschland, ftd.de, “Sollen sich deutsche Soldaten an einer internationalen Schutztruppe im Nahen Osten beteiligen?” ja 19 %, nein 81 % (Stimmen: 1843) (Quelle:http://www.ftd.de/politik/deutschland/98963.html)

2. n-tv.de: “Auf die Frage Finden Sie die Beteiligung der Bundeswehr am Libanon-Einsatz richtig? haben die n-tv.de- Nutzer folgendermaßen geantwortet: A: Ja 24% B: Nein 76% Abgegebene Stimmen: 921 (Quelle:http://www.n-tv.de/711811.html)

3. tagesschau.de:”Bundeswehr in den Libanon? Der Bundestag debattiert über den geplanten Einsatz der Bundeswehr im Libanon. 2400 Soldaten sollen sich an der UN-Friedenstruppe beteiligen. Auch aus historischen Gründen ist der Einsatz umstritten. Sollen deutsche Soldaten an der UN-Mission teilnehmen?” Ja: 559 Stimmen, dies entspricht circa 34.9% Nein: 1024 Stimmen, dies entspricht circa 63.9% Ich habe dazu keine Meinung: 19 Stimmen, dies entspricht circa 1.2% Stimmen insgesamt: 1602

4. news-online.de: Soll Deutschland (UN-) Soldaten in den Nahen Osten schicken? ja – Deutschland muss sich aktiv beteiligen 17 %17 %17 % 17.90 % (29) nein – wir sollten uns aus dem Krieg heraushalten 21 %21 %21 % 21.60 % (35) nein – Deutschland sollte auf Diplomatie setzen 27 %27 %27 % 27.78 % (45) ich weiß es nicht – was suchen wir in Nahost? 32 %32 %32 % 32.72 % (53) Stimmen insgesamt: 162 (pro Tag nur eine Stimme)

5. Rheinische Post, rp-online.de: Soll die Bundeswehr in den Libanon ziehen?Der Bundestag entscheidet am Mittwoch darüber, ob deutsche Marinesoldaten vor den Küsten des Libanon eingesetzt werden sollen. Was halten Sie von einem Engagement der Bundeswehr im Nahen Osten? Finde ich richtig 0 26.0 % Finde ich falsch 0 74.0 % Teilnehmer: 131 (Quelle:http://www.rp-online.de/public/magazin/vote/ nachrichten/politik/deutschland/2981)

6. Eine Umfrage der LVZ (Leipziger Volkszeitung) vom 14.9.2006 scheint dem hier abgebildeten Trend zu widersprechen und wurde mehrfach, u.a. auch auf spiegel-online.de zitiert. Der Wortlaut der in der LVZ-Umfrage gestellten Fragen ist nicht bekannt und die festgestellte Zustimmung der Befragten bezieht sich auf den beschränkten,”seeseitigen” Einsatz der Soldaten (Bundesmarine).
Nach Spiegel-online und der LVZ-Umfrage sprechen sich 58 Prozent der Bundesbürger für den geplanten Libanon-Einsatz der Bundeswehr aus. FDP-Wähler: 67 Prozent, Linkspartei: 44 Prozent , Unions-Wähler: 65 Prozent, SPD-Wähler: 58 Prozent.
Spiegel-Online: “Ein Einsatz von Bodentruppen wird dagegen durchweg mit breiter Mehrheit angelehnt. 70 Prozent der Deutschen erwarten laut Umfrage eine neutrale Haltung der Bundesregierung im Nahost-Konflikt.
61 Prozent sehen keine Notwendigkeit, Israel beim Kampf gegen den Terror zu unterstützen.(…) Das Leipziger Institut für Marktforschung befragte Anfang September 1002 erwachsene Bundesbürger.”
(Quelle:http://www.spiegel.de/politik/deutschland/
0,1518,437078,00.html)

7. N 24.EMNID-UMFRAGE: Deutsche gegen Bundeswehreinsatz im Libanon: (presseportal.de,13.9.2006) “13.09.2006 – 09:58 Uhr, N24 Pressemappe [Pressemappe] Berlin (ots) – Während die politischen Vorbereitungen für den Einsatz der Bundeswehr vor der libanesischen Küste auf Hochtouren laufen, sind die Bundesbürger skeptisch.

Laut der aktuellen N24-emnid-Umfrage stehen 64 Prozent der Befragten der neuen Mission ablehnend gegenüber, 32 Prozent sind dafür. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Ausstattung der Bundeswehr geben 56 Prozent der Befragten an, die Bundeswehr sei nicht gut genüg gerüstet für den Auftrag; 34 Prozent halten den aktuellen Ausrüstungsstand für ausreichend.

Allerdings sehen 67% keinen Anlass zur Aufstockung des Wehretats, wie ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagen hat; 30% würden dem zustimmen. Befragungszeitraum: 11.09.06; Befragte: 1.000 Mittlere Fehlertoleranz: +/- 2,5″

(Quelle:http://www.presseportal.de/story.htx?nr=872662&search= bundeswehreinsatz)

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Der Kaperbrief: September 18th – September 19th 2006

September 19, 2006 von sirfrancisuk

Tagebuch 19./20.9.2006 – ‘Maritime Taskforce’: Der Bundestag streitet über den Nahosteinsatz

September 19th, 2006 19.September 2006: (Deutscher Bundestag, Berlin:) 46 und 147 Millionen € will sich die deutsche Bundesregierung laut Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung den bevorstehenden Einsatz deutscher Soldaten in Nahost in diesem und im folgenden Haushaltsjahr zusätzlich kosten lassen und die Grünen finden das zu teuer.

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Werner Hoyer dagegen spricht sich für ein fortgesetztes deutsches Engagement im Nahen Osten aus, ist aber gegen die militärische Beteiligung und spricht dabei für die Mehrheit seiner Fraktion.

n-tv schaltet sich aus der Übertragung der Parlamentsdebatte aus und bringt Werbung und Wirtschaftsnachrichten, während Gregor Gysi (Linkspartei) auf PHOENIX sehr nachdenklich darauf hinweist, dass dem deutschen militärischen Nahosteinsatz die für eine glaubwürdige Vermittlung notwendige Neutralität fehle. Die fortgesetzte Waffenlieferung an das militärisch sehr gut gerüstete Israel bei gleichzeitigem deutschen Nahosteinsatz für den Stopp von Waffenlieferungen an die Gegner Israels sei ein Widerspruch.

Die gewünschte Normalisierung des Verhältnisses zum Staat Israel sei nicht durch die Entsendung deutscher Soldaten zu bewirken. Gysi fordert statt dessen zum Beispiel eine Nahostkonferenz in Berlin und hält die bevorstehende Entscheidung für einen Fehler: “Deutschland wird (damit) nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Konflikts.”

Für die Bundesregierung sprechen Außenminister Steinmeier und seine Kabinettskollegin Wieczorek-Zeul (Entwicklungshilfepolitik) , beide SPD, und fordern die Zustimmung zum deutschen Nahosteinsatz. 2400 Soldaten aus Deutschland zur Verhinderung des Waffenschmuggels an der libanesischen Küste seien ein esrter Schritt zur Friedenssicherung im Nahen Osten.

Der Beitrag von Fritz Kuhn, Bündnis 90/ Die Grünen, beschränkt sich – offenbar als Reaktion auf aktuelle Wahlerfolge der FDP und im Rückblick auf die vergangene Regierungsverantwortung seiner Partei – darauf, die übrigen Oppositionsparteien wegen ihrer Ablehung des geplanten Nahosteinsatzes der Bundesmarine polemisch anzugreifen und die bekannten Argumente für die Zustimmung zu wiederholen. An die Bundeskanzlerin gewandt, erklärt Kuhn: “Ich spüre, dass Sie das auch so sehen können!”

Die CDU schickt mit Andreas Schockenhoff einen eher unbekannten Abgeordneten ans Rednerpult, der die geplante Zustimmung seiner Fraktion in der Nahostfrage ankündigt und die deutschen Interessen am achten Auslands-Einsatz deutscher Soldaten begründet. Er verweist u.a. auf Erfolge deutscher Bundeswehreinsätze in Bosnien-Herzegowina und im Kongo und außerdem auf die Notwendigkeit, dass das Engagement Nahen Osten zeitlich begrenzt bleibt und dass die beteiligten Konfliktparteien gleichzeitig selbständige Friedensbemühungen einleiten. Schockenhoff lässt durchblicken, dass die CDU in der Bundesregierung offiziell zwar zu ihren Verpflichtungen steht, aber offenbar deutliche interne Bedenken kennt.

Gert Winkelmeier (fraktionslos, ehemals PDS), fordert für den Nahen Osten “Deutsche Diplomaten statt deutsche Soldaten!” und erinnert daran, dass die deutsche Bundesmarine im östlichen Mittelmeer eine viel wichtigere Aufgabe zu lösen hätte: Die Bekämpfung der enormen Ölpest, die nach israelischen Bombenangriffen seit Wochen die gesamte Küste des Libanon verseucht. Winkelmeier kritisiert außerdem, dass viele seiner Abgeordnetenkollegen im Deutschen Bundestag anlässlich der bevorstehenden Nahostabstimmung in diesen Tagen von der eigenen Parteiführung unter Druck gesetzt werden, im Sinne der “Fraktionsdiziplin” abzustimmen, statt ihrem Gewissen zu folgen, wie es die deutsche Verfassung vorsieht.

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Tagebuch 18.9.2006 – Am Tag nach der Wahl September 18th, 2006 18.9.2006

Am Tag nach der Wahl hat Deutschland ein neues und zugleich altes Problem: Die NPD-Wähler in Sachsen, Brandenburg (DVU) und jetzt auch in Mecklenburg-Vorpommern, zumeist junge arbeitslose Männer mit schlechtem Schulabschluss und im Alter 18 bis 35 Jahren, lassen sich nicht in die Vergangenheit ausweisen und besitzen einen deutschen Pass.

Jetzt steht das in jüngster Zeit oft gelobte neue deutsche Selbstbewusstsein – ebenso wie bei der Frage der Beteiligung am Krieg im Nahen Osten – auf dem Prüfstand. Können wir uns der politischen Herausforderung durch den Einzug einer dritten rechten Partei in den Landtag (diesmal in Schwerin) entziehen?

Die Kommentare ‘am Tag danach’ reichen von demonstrativer Distanzierung und schneller Verurteilung des Fehlverhaltens der Wähler bis zu deutlicher Betroffenheit und dem Ruf nach einer ernsthaften Analyse und ausreichender staatlicher Finanzierung von Gegenmaßnahmen. Dabei erschreckt die Routine, mit der das wachsende Rechtswählerphänomen in den Medien beurteilt wird. “Wer Nazis wählt, ist selber einer”, finden sogar kritisch-aufgeklärte Journalisten und Politiker und erwarten offenbar, dass sich der Erfolg von NPD, DVU und anderen rechten Organisationen in Deutschland wie eine Erkältungskrankheit überwinden lässt.

Statt zu erkennen, dass u.a. die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf Dauer die Stabilität des nach 1989 immer stärker belasteten politischen Systems gefährdet, grenzt man sich dem wirtschaftlich schwachen Osten, dem politischen Gegner und den eigentlichen politischen Problemen gegenüber ab und erfreut sich an der Pose des deutschen Schulmeisters, der nichts mehr dazulernen muss und für jede Frage einen fertigen Spruch vorlegen kann.

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